Rechtsanwälte Motzenbäcker & Adam

Ausspähen von Daten

M & A

Song-Klau: Hacker zu Jugendstrafen verurteilt

Das Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Duisburg hat am 16.06.2011 (Aktenzeichen: Az: 10 Ls 275/10) zwei junge Männer wegen des Ausspähens von Daten und Verstößen gegen das Urheberrechtsgesetz zu Jugendstrafen verurteilt. Gegen den 18-jährigen Angeklagten verhängte Gericht eine Jugendstrafe von 18 Monaten ohne Bewährung. Sein 23-jähriger Mitangeklagter erhielt 18 Monate auf Bewährung.

Den beiden Angeklagten wurden insgesamt über 100 Fälle des Verstoßes gegen das Urheberrechtsgesetz sowie des Ausspähens von Daten zur Last gelegt.

Im Zeitraum von 2009 bis 2010 haben sie unter Nutzung von Trojanern unbefugt Zugang zu fremden Computern oder E-Mail- und Datenaccounts im Umfeld der Musikindustrie verschafft und Musikdateien, insbesondere unveröffentlichte Songs bekannter Interpreten, ausgespäht und unveröffentlichte Lieder zum Verkauf oder zum Download angeboten. Dabei haben sie mehr als 15.000 Euro eingenommen.

Einem der beiden Angeklagte wurde weiterhin zur Last gelegt, private Fotos vom Computer der Sängerin Kesha heruntergeladen zu haben. Mit der angedrohten Veröffentlichung dieser Fotos wollte er diese dazu veranlassen, für ihn einen so genannten „shout out“ oder „drop“, das heißt eine persönliche Widmung, aufzunehmen, den er dann in von ihm bearbeitete Musikdateien einbaute, um seinen Bekanntheitsgrad in der Hackerszene zu steigern. Das Gericht sah hierin den Strafbestand der Nötigung für erfüllt.
Die beiden Angeklagten haben die ihnen zur Last gelegten Taten weitgehend eingeräumt.

AG Düren: Ausspähen von Daten durch rechtswidrige Bildaufnahmenübermittlung

Das Amtsgericht Düren hat mit einem Urteil vom 10.12.2010, Az.: 10 Ls-806 Js 644/10-275/10, einen Angeklagten wegen Ausspähens von Daten zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Das Gericht stellte im Urteil fest, dass ein strafbares Ausspähen von Daten vorliegt, wenn der Täter mittels einer Software zum Entschlüsseln von Passwörtern an die Anmeldedaten verschiedener Nutzer von ICQ-Chats gelangt. Nach Ansicht des Gerichts gehöre zum Tatbestand weiterhin das Chatten im Zusammenhang mit der falschen Identität, mit welcher die Gesprächspartner aufgefordert werden, scheinbar harmlose Links zu öffnen, um so versteckte Schadsoftware zu installieren. Schließlich liege die Strafbarkeit vor, weil der Täter durch die Schadsoftware in der Lage sei, Bildaufnahmen der Personen an sich zu übersenden.

Im vorliegenden Fall wurde dem Angeklagten vorgeworfen sich des Ausspähens von Daten schuldig gemacht zu haben. Er gelangte mittels einer Software an die Anmeldedaten verschiedener Nutzer des Chat-Programms ICQ. Dabei meldete er sich mit seiner falschen Identität an und forderte seine vermeintlichen Freunde auf, gesendete Bilder oder Links zu öffnen, so dass sich im Hintergrund eine versteckte Schadsoftware installierte. Dadurch war es dem Angeklagten möglich, eine Webcam zu aktivieren und Bildaufnahmen der Personen an sich zu senden. Auf diesem Weg gelangte er in Besitz von vielen privaten und intimen Bildern.