Rechtsanwälte Motzenbäcker & Adam

Hooligans

M & A

Berufungsgericht bestätigt Verurteilung eines Rechtsreferendars wegen schweren Landfriedensbruch

Das Landgericht Leipzig hat die Verurteilung eines 27-jährigen Rechtsreferendars wegen schweren Landfriedensbruch zu einer
Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten bestätigt und seine Berufung gegen das Urteil des Amtsgerichts Leipzig aus dem November 2018 zurückgewiesen.

Im vorliegenden Fall stand nach Auffassung der zuständigen Kammer fest, dass der Angeklagte an einem Überfall von Neonazis und Hooligans auf den Leipziger Stadtteil Connewitz im Januar 2016 beteiligt war. Bei dieser Tat waren hunderte Rechtsradikale, zum Teil mit Schlagstöcken und Holzlatten bewaffnet, durch Connewitz gezogen. Dabei entstand ein Sachschaden von über 100.000 Euro.

Die Entscheidung dürfte auch Konsequenzen für seine weitere juristische Ausbildung haben. Nach § 34 der sächsischen Ausbildungs- und Prüfungsordnung für Juristen müsste jemand vom Referendariat ausgeschlossen werden, wenn er wegen einer vorsätzlich begangenen Tat zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr rechtskräftig verurteilt werden würde.

Gegen das Urteil kann der Angeklagte Revision einlegen.

Gewalttätigem Fußballfan darf Ausreise zu Fußballspiel im Ausland untersagt werden

Das Landgericht Frankfurt am Main hat mit einem Urteil vom 25.09.2019, Aktenzeichen: 2-04 O 219/19, entschieden, dass die Bundesrepublik Deutschland einem deutschen Fußballfan, der in der Vergangenheit im Rahmen von Fußballspielen erhebliche Gewaltdelikte begangen hat, die Ausreise zu einem Spiel im Ausland untersagen darf und ihm kein Schadensersatz zahlen muss.

Im vorliegenden Fall ist der Kläger bereits mehrfach im Zusammenhang mit Fußballspielen strafrechtlich in Erscheinung getreten, u.a. wegen gefährlicher Körperverletzung und Landfriedensbruch.

Im November 2018 wollte der Kläger vom Flughafen Frankfurt nach Zypern fliegen, um sich dort am nächsten Tag ein Fußballspiel von Eintracht Frankfurt gegen Apollon FC anzusehen. Bei der Ausreisekontrolle wurde er aufgehalten. Bundesbeamte erließen eine Ausreiseuntersagung gegen den Kläger.

Mit seiner Klage begehrte der Kläger Schadensersatz von knapp 300 Euro wegen der Kosten, die er umsonst für die Reise nach Zypern aufgewandt hatte. Außerdem forderte er 350 Euro Schmerzensgeld.

Das Landgericht Frankfurt hat die Klage jedoch abgewiesen. Nach Ansicht des Gerichts sei die Untersagung der Ausreise rechtmäßig gewesen. Die vorangegangenen Auseinandersetzungen mit Fußballfans hätten gezeigt, dass der Kläger gewaltbereit sei.

Bundesgerichtshof bestätigt Strafbarkeit wegen Landfriedensbruch durch bloßes Mitmarschieren

Der Bundesgerichtshof hat mit einem Urteil vom 24.05.2017, Aktenzeichen: 2 StR 414/16, entschieden, dass eine Strafbarkeit wegen Landfriedensbruchs nach § 125 StGB weder Täterschaft bei der Begehung von Gewalttätigkeiten noch die Zugehörigkeit des Beteiligten zur Menschenmenge zurzeit der Gewalttätigkeiten voraussetzt. Darüber hinaus hebe, so die Bundesrichter weiter, eine räumliche Distanzierung von der Menschenmenge nach Erbringung von Beihilfehandlungen unmittelbar vor Beginn der Gewalttätigkeiten die Strafbarkeit wegen Landfriedensbruchs nicht auf.

Im vorliegenden Fall ging es um eine verabredete Schlägerei zweier Hooligangruppen. Die Angeklagten waren Teil einer dieser Gruppen. Sie marschierten gemeinsam in einer Art Formation zum vereinbarten Treffpunkt. Kurz vor dem Zusammentreffen mit der anderen Gruppe ließen sich die Angeklagten zurückfallen und beobachteten das Geschehen aus einiger Entfernung. Trotzdem wurden sie wegen Landfriedensbruch verurteilt. Diese Verurteilung wurde durch den Bundesgerichtshof bestätigt.

Dabei ist der zuständige Strafsenat davon ausgegangen, dass ein Landfriedensbruch auch dann gegeben sei, wenn die betroffene Person nicht selbst Gewalthandlungen oder Bedrohungen begeht. Vielmehr sei, so der zuständige Senat, auch eine psychische Beihilfe zu diesen Handlungen tatbestandsmäßig.

Zu dieser Einschätzung ist bereits das Amtsgericht Wuppertal mit einem Urteil vom 24.10.2011, Aktenzeichen: 12 Cs 178/11, gekommen und das bloße gemeinsame Zulaufen auf Gegendemonstranten als Landfriedensbruch nach § 125 StGB gewertet.

Dass der Bundesgerichtshof nunmehr entschieden hat, dass ein Landfriedensbruch auch gegeben ist, wenn der Betroffene vor Beginn der Gewalttätigkeiten die Menschenmenge verlässt, sofern vorher eine Beihilfehandlung gegeben ist, ist neu.

VG Ansbach weist Eilantrag gegen Betretungsverbote zurück

Mit einem Beschluss vom 11.09.2012, Aktenzeichen AN 5 S 12.01535, hat das VG Ansbach einen Eilantrag gegen die von der Stadt Fürth verhängten Betretungsverbote zurückgewiesen. Gleichzeitig wurden auch Anträge auf Gewährung von Prozesskostenhilfe sowohl für das Eil- als auch für das Hauptsacheverfahren abgelehnt.

Dem Antragssteller (meinem Mandanten) war es untersagt worden, an Spieltagen der 1. sowie der 2. Mannschaft der SpVgg Greuther Fürth bestimmte Gebiete der Stadt zu betreten, wobei die sofortige Vollziehung angeordnet wurde. Dagegen richteten sich Klage und Eilantrag, wobei erst einmal nur über letzteren entschieden wurde. Im Wesentlichen hat das Gericht die Argumentation der Stadt Fürth übernommen und dabei verkannt, dass die Betretungsverbote meiner Meinung nach absolut unverhältnismäßig sind. Es kann hier definitiv nicht davon ausgegangen werden, dass bei jedem Heimspiel der 1. und 2. Mannschaft der SpVgg Greuther Fürth mit einer Gefahr für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu rechnen ist. Vergleicht man nur allein mal die Zuschauerzahl bei Spielen der 2. Mannschaft, so erkennt man, dass hier nicht mit vielen Besuchern zu rechnen ist und daher auch nicht wirklich die Gefahr von Ausschreitungen besteht. Auch zeigte das Gericht in seiner Argumentation, dass es sich nicht wirklich mit der Problematik von Stadionverboten auskennt. So steht das Gericht auf dem Standpunkt, dass Stadionverbote nur verhängt werden, wenn jemand wiederholt gewalttätig auffällig geworden ist. Eine Behauptung, die definitiv nicht der Vergabepraxis von Stadionverboten entspricht.

Der Beschluss verdeutlicht einmal wieder, dass bei Vorfällen im Bereich des Fußballs die Gerichte dazu übergehen, gnadenlos durchzugreifen. Eine Entscheidung die ich für sehr bedenklich halte.

VG Neustadt/Weinstraße: Aufenthaltsverbot für Fußballfan rechtswidrig

Nach einer Entscheidung des Verwaltungsgericht Neustadt/Weinstraße vom 28.06.2012, Aktenzeichen: 5 L 580/12.NW durfte ein Fußballfan doch noch kurzfristig die Halbfinalniederlage Deutschlands gegen Italien beim Public Viewing mit ansehen.

Der Fan hatte sich am vergangenen Freitag nach dem Viertelfinale der Europameisterschaft Deutschland gegen Griechenland an einem Autokorso im pfälzischen Neustadt beteiligt und war dabei in Konflikt mit Polizeibeamten geraten.

Weil die Polizei befürchtete, dass der Fan während und nach dem sich am 28.06.2012 stattfindenden Halbfinalspiel der Euro 2012 zwischen Deutschland und Italien Straftaten begehen würde, sah sie den Fan als „Problemfan“ an und erteilte ihm für den Abend ein Aufenthaltsverbot für die Innenstadt von Neustadt/Weinstraße.

Der Betroffene beantragte einstweiligen Rechtsschutz beim Verwaltungsgericht Neustadt. Ohne dass eine förmliche Entscheidung ergehen musste, erreichte der Fußballfan, dass er nun doch noch zum Public-Viewing gehen durfte.

Die Entscheidung zeigt, dass für Fußballfans gerade bei Aufenthaltsverboten durchaus die Möglichkeit besteht gegen diese Maßnahmen erfolgreich vor Gericht zu ziehen.