Rechtsanwälte Motzenbäcker & Adam

Merkzeichen B

M & A

Kein Anspruch auf Parkerleichterung wegen Dialyse

Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat mit einem Urteil vom 21.02.2020, Aktenzeichen: 6 K 1480/19, entschieden, dass die Einschränkung der Gehfähigkeit nach einer Dialyse grundsätzlich nicht zu einem Anspruch auf eine Parkerleichterung führt.

Im vorliegenden Fall beantragte der schwerbehinderte Kläger (Grad der Behinderung von 100 und Merkzeichen G) eine Parkerleichterung. Er sei aufgrund einer Nierenerkrankung auf mehrmals wöchentliche Dialyse angewiesen. Danach sei er so geschwächt, dass er sich nur noch mit Gehhilfen weiter bewegen könne.

Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hat die Klage abgewiesen. Nach Ansicht des Gerichts habe der Kläger keinen Anspruch auf eine bundesweite Parkerleichterung. Er zähle nicht zu dem Personenkreis, der in der VwV-StVO zu § 46 Abs. 1 Nr. 11 StVO genannt ist. Für eine bundesweite Parkerleichterung sei sowohl das Merkzeichen G als auch das Merkzeichen B erforderlich.

Weiterhin habe der Kläger auch keinen Anspruch auf Gewährung einer Parkerleichterung nur für Nordrhein-Westfalen.  Zwar genüge dort lediglich das Merkzeichen G. Hinzukommen müsse aber ein Mindestgrad der Behinderung für einzelne Funktionsstörungen. Diese Voraussetzungen seien vorliegend jedoch nicht gegeben. Dem Kläger sei für die Funktionseinschränkungen an den unteren Gliedmaßen und der Lendenwirbelsäule, soweit sich diese auf das Gehvermögen auswirkten, nur ein Grad von 20 zuerkannt worden. Erforderlich sei hier aber ein Grad von 80 oder 70 mit Zusatzbehinderung.

Ebenfalls seien vorliegend keine atypischen Besonderheiten gegeben, die ein Abweichen von den Fallgruppen der Verwaltungsvorschrift rechtfertigen können. Die Behinderungen des Klägers betreffen in erster Linie Einschränkungen seines Allgemeinzustands, die sich auch in seine Gehfähigkeit niederschlagen. Ein Ausnahmefall sei allerdings nicht gegeben. Vielmehr habe der Kläger einen Anspruch gegenüber seiner Krankenversicherung auf Krankenfahrten zur Dialyse.

 

Asperger-Syndrom kann Feststellung des Merkzeichens „B“ rechtfertigen

Das Sozialgericht Düsseldorf hat mit einem Urteil vom 23.05.2019, Aktenzeichen: S 4 SB 1110/14, entschieden, dass ein am Asperger-Syndrom und ADHS leidender Minderjähriger Anspruch auf Zuerkennung des Merkzeichens „B“ für die unentgeltliche Beförderung einer Begleitperson hat.

Im vorliegenden Fall leidet der minderjährige Kläger an ADHS sowie am sogenannten Asperger-Syndrom. Durch die Beklagte wurde ihm vorliegend einen Grad der Behinderung von 50 fest sowie die Voraussetzungen für das Merkzeichen „H“ (Hilflosigkeit) gewährt. Gewährung des Merkzeichen „B“ erfolgte  jedoch nicht, da diese Voraussetzungen nach Ansicht der Beklagten nicht gegeben seien. Eine Begleitperson im Straßenverkehr sei nicht notwendig, da nicht das Vollbild eines Autismus vorliege. Bei einem Grad der Behinderung von unter 80 komme zudem nur ausnahmsweise das Merkzeichen „B“ in Betracht.

Gegen diese Entscheidung erhob der Kläger Klage vor dem Sozialgericht Düsseldorf und bekam schließlich Recht. Dabei stützte sich das Gericht auf ein eingeholtes Sachverständigengutachten. Aufgrund seiner Erkrankung sei es dem Kläger nicht möglich ohne fremde Hilfe ein stärker frequentiertes öffentliches Verkehrsmittel zu nutzen. Lediglich in leere oder gering frequentierte Verkehrsmittel könne er einsteigen und mitfahren. Der Kläger sei daher auf die regelmäßige Anwesenheit einer Begleitperson angewiesen. Vor diesem Hintergrund seien vorliegend alle Voraussetzungen für das Merkzeichen „B“ gegeben.