Rechtsanwälte Motzenbäcker & Adam

Wirtschaftsstrafrecht

M & A

Haftstrafe gegen ehemaligen Geschäftsführer der Entsorgungsbetriebe Essen GmbH bestätigt

Der Bundesgerichtshof hat mit einem Beschluss vom 20.06.2018, Aktenzeichen: 4 StR 561/17, die Verurteilung des ehemaligen Geschäftsführers der EBE GmbH zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren sowie die Verurteilung eines für das Unternehmen tätig gewesenen Computerspezialisten wegen Beihilfe zur Untreue zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr bestätigt und die von den Angeklagten eingelegte Revision verworfen.

Im vorliegenden Fall hatte der Angeklagte nach den Feststellungen des Landgerichts seine Pflichten als Geschäftsführer der EBE GmbH in fünf Fällen verletzt und dem Unternehmen dadurch einen Gesamtschaden in Höhe von rund 650.000 Euro zugefügt.

Dabei habe der Angeklagte in einem Falle einen bestehenden Zahlungsanspruch gegen die Firma eines befreundeten Unternehmers unter Verwendung von Scheinrechnungen ausbuchen lassen. In zwei anderen Fällen habe er bei der EBE GmbH angestellte und von ihr entlohnte Mitarbeiter dafür abgestellt, den Bürgermeister der Stadt Essen unentgeltlich eine längere Zeit zu chauffieren. Zudem habe der Angeklagte dem ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden Arbeitsentgelt in unberechtigter Höhe gewähren lassen. Aus Gefälligkeit gegenüber dem Mitangeklagten habe er, so das Landgericht, die Vergütungspauschale eines längerfristig mit ihm geschlossenen Beratervertrags nachträglich um mehr als 50 % erhöht.

Die erhobene Revision der beiden Angeklagte blieb hinsichtlich der Verfahrensrügen sowie der allgemeinen Sachrüge ohne Erfolg. Soweit dem ehemaligen Geschäftsführer der EBE GmbH zur Last gelegt worden war, ein für Betriebszwecke nicht benötigtes Fahrzeug geleast zu haben, ist das Verfahren eingestellt worden.

Übersicht über das Wirtschaftsstrafrecht

Das Wirtschaftsstrafrecht ist ein Teilgebiet des Strafrechts, das Straftaten im Bereich der Wirtschaftskriminalität sanktioniert. Darunter versteht man zum Beispiel Insolvenzdelikte, Korruptionsdelikte und Steuerstraftaten. Diese Delikte befinden sich in verschiedenen Gesetzen und fallen zum Teil unter das sogenannte Nebenstraftrecht

Im Strafgesetzbuch wird beispielsweise der Betrug nach § 263 StGB und auch spezielle Betrugsvarianten im Wirtschaftsstrafrecht wie der Subventionsbetrug, Kapitalanlagebetrug oder der Kreditbetrug behandelt. Außerdem ist die Untreue nach § 266 StGB und als spezielle Form der Untreue die Nichtabführung von Sozialversicherungsbeiträgen nach § 266a StGB als praxisrelevante Delikte aus dem Wirtschaftsstrafrecht zu nennen.

Spezielle Straftaten sind die Insolvenzstraftaten, also beispielsweise die Verletzung der Buchführungspflicht nach § 283b StGB, die Gläubigerbegünstigung nach § 283c StGB, die Schuldnerbegünstigung nach §283d StGB und die Bankrottdelikte nach §§ 283, 283a StGB. Aber auch die Insolvenzverschleppung nach § 15a Abs. 4 InsO ist hier zu nennen.

Delikte aus dem Bereich des Steuerstrafrechts finden sich hauptsächlich in der Abgabenordnung, wie beispielsweise die Steuerhinterziehung nach § 370 AO.

Im Gesellschaftsrecht sind ebenfalls Straftaten aus dem Bereich der Wirtschaftskriminalität normiert. Hierunter fallen zum Beispiel die Verletzung der Geheimhaltungspflicht nach § 333 HGB oder unrichtige Darstellung nach § 331 HGB.

Ähnliche Delikte findet man im Aktiengesetz. Dort steht die unrichtige Darstellung nach § 400 AktG, falsche Angaben nach § 399 AktG, Pflichtverletzung bei Verlust nach § 401 AktG und die Verletzung der Geheimhaltungspflicht nach § 404 AktG unter Strafe.

Die Vorschriften des Genossenschaftsgesetz hierzu sind falsche Angaben nach § 147 GenG, Pflichtverletzung bei Verlust nach § 148 GenG und die Verletzung der Geheimhaltungspflicht nach §151 GenG an.

Das GmbH-Gesetz sanktioniert die Verletzung des Geheimhaltungspflicht ebenfalls nach § 85 GmbHG sowie die Pflichtverletzung bei Verlust nach § 84 GmbHG und falsche Angaben nach § 82 GmbH-Gesetz.

Als strafrechtliche Sanktionen drohen in diesen Fällen Freiheitsstrafen oder Geldstrafen. Ebenfalls drohen hier empfindliche Folgen wie Maßnahmen zur Vermögensabschöpfung.

Landgericht Kleve verhängt Bewährungsstrafen wegen Steuerhinterziehung und Vorenthaltens von Arbeitsentgelt

Mit einem inzwischen rechtskräftigen Urteil aus dem Dezember 2017 hat das Landgericht Kleve drei angeklagte Bordellbetreiber aus Elten wegen Steuerhinterziehung zu Bewährungsstrafen verurteilt. Der Haupttäter erhielt wegen Steuerhinterziehung nach § 370 AO und Vorenthaltens von Arbeitsentgelten nach § 266a StGB eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung. Seine Eltern erhielten wegen Beihilfe zu diesen Taten Freiheitsstrafen von einem Jahr und sieben Monaten sowie von einem Jahr. Zudem müssen sie den Schaden wiedergutmachen und dürfen nicht mehr im Rotlichtmilieu tätig sein.Landgericht Kleve verhängt Bewährungsstrafen wegen Steuerhinterziehung und Vorenthaltens von Arbeitsentgelt.

Nach Auffassung und Schätzung der zuständigen Strafkammer wurden zwischen November 2010 und März 2016 rund 500.000 Euro Steuern hinterzogen sowie 700.000 Euro an Sozialversicherungsbeiträgen nicht entrichtet. Dabei ging die Kammer davon aus, dass durchschnittlich sechs Prostituierte im Einsatz waren, die jeweils vier Kunden bedienten. Nach Auffassung der Richter agierten die Prostituierten nicht als selbstständige Unternehmerinnen. Vielmehr seien sie als Arbeitnehmerinnen zu bewerten, da sie kein unternehmerisches Risiko trugen.

Die Einnahme wurden nach Ansicht der Kammer zudem dem Finanzamt verschwiegen. Strafmildernd berücksichtigten die Richter jedoch die Tatsache, dass ein gewisses Mitverschulden der zuständigen Finanzbehörden gegeben sei. Diese hätten es den Angeklagten zu leicht gemacht.

Bundesgerichtshof hebt Urteil gegen Werner Mauss wegen Steuerhinterziehung auf

Der 1. Strafsenat des Bundesgerichtshofs hat mit einem Urteil vom 10. Januar 2019, Aktenzeichen: 1 StR 347/18, das Urteil des Landgerichts Bochum gegen Werner Mauss aufgehoben.

Im vorliegenden Fall wurde der Angeklagte durch das Landgericht Bochum wegen Steuerhinterziehung in zehn Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren , deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde, verurteilt.

Nach den Feststellungen der zuständigen Wirtschaftsstrafkammer erzielte der Angeklagte, ein ehemals weltweit tätiger Geheimagent, in den Veranlagungszeiträumen 2002 bis 2011 aus Stiftungsvermögen erhebliche Zinsgewinne, die er gegenüber dem zuständigen Finanzamt verschwieg. Dadurch verkürzte er Einkommensteuer von jeweils über eine Million Euro jährlich. Nach den gerichtlichen Feststellungen sei dem Angeklagte bei Abgabe seiner Steuererklärungen  bewusst gewesen, dass die angelegten Gelder für die Steuerbehörden von Bedeutung gewesen seien, weshalb er eine unrichtige Steuerfestsetzung billigend in Kauf genommen habe. Er sei jedoch davon ausgegangen, die Kapitalerträge selbst nicht versteuern zu müssen, da er unzutreffend einen Treuhandcharakter der Gelder angenommen habe.

Auf eine Sachrüge des Angeklagten hat der BGH nunmehr das Urteil wegen in sich widersprüchlicher Feststellungen hinsichtlich eines möglichen vorsatzausschließenden Irrtums aufgehoben. Obwohl das Landgericht feststellt, der Angeklagte sei davon ausgegangen, selbst nicht steuerpflichtig bezüglich der Kapitalerträge zu sein, wurde ein bedingten Vorsatz der Steuerhinterziehung bejaht.

Die auf den Rechtsfolgenausspruch beschränkte Revision der Staatsanwaltschaft, mit der die Annahme eines vermeidbaren Verbotsirrtums beanstandet wurde, hat ebenfalls zur Aufhebung des Urteils geführt. Nach Ansicht des 1. Strafsenats habe das Landgericht nicht rechtsfehlerfrei festgestellt, dass sich der Angeklagte überhaupt in einem rechtlich relevanten Irrtum befunden hat.

Mit diesem Steuerstrafverfahren muss sich nunmehr nochmals eine andere Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Bochum beschäftigen.

Bewährungsstrafe wegen Untreue, Betrug und Urkundenfälschung

Das zuständige Schöffengericht am Amtsgericht München hat mit einem Urteil vom 12.07.2018, Aktenzeichen 831 Ls 124 Js 135584/17, einen 48-jährigen angeklagten früheren Revisor wegen Betrugs in fünfzehn und wegen Untreue und Urkundenfälschung in weiteren acht Fällen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, deren Vollstreckung zur Bewährung ausgesetzt wurde, verurteilt.

Das Gericht sah es im vorliegenden Fall als erwiesen an, dass der Angeklagte bei 15 verschiedenen Reiseanträgen im Zeitraum vom 2012 bis 2016 jeweils fälschlich einen angeblich dienstlich veranlassten Reisegrund angegeben. Mit Einreichung des jeweiligen Reisekostenerstattungsantrages täuschte der Angeklagte sodann vor, dass ihm dienstlich veranlasste Reisekosten von insgesamt 7.579,20 Euro entstanden waren.

Zudem fingierte der Angeklagte von 2012 bis Anfang 2017 insgesamt acht Forderungen über insgesamt 38.057,83 Euro und fertigte in sechs dieser Fälle gefälschte Rechnungen, welche er sodann in seiner Funktion als Leiter der internen Konzernrevision als sachlich und rechnerisch richtig frei zeichnete und an sich auszahlen ließ.

Aufgrund der für den Angeklagten sprechenden Punkte konnte das Gericht eine Freiheitsstrafe verhängen, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.